Als österreichischer Aktionär gibt es viele Dinge zu beachten, wenn es um die Besteuerung von Dividenden geht. Nicht nur die heimische Abgeltungssteuer spielt eine Rolle, sondern auch internationale Quellsteuern, die oft einen erheblichen Teil deiner Dividenden schmälern können. In diesem Artikel gebe ich dir einen umfassenden Überblick über die Besteuerung von Dividenden in Österreich, die unterschiedlichen Quellsteuern, die je nach Land anfallen, und wie du diese am besten zurückholst. Zusätzlich beleuchten wir, wie du dein Depot in Österreich steuerlich optimieren kannst.
1. Dividendenbesteuerung in Österreich
Als Anleger in Österreich sind deine Dividenden grundsätzlich der Kapitalertragsteuer (KESt) unterworfen. Seit 2016 beträgt diese 27,5 % und wird automatisch von deinem Broker an das Finanzamt abgeführt. Es handelt sich dabei um eine Endbesteuerung, was bedeutet, dass du diese Erträge nicht mehr in deiner Einkommensteuererklärung angeben musst.
Beispiele für Dividenden in Österreich:
- Wenn du eine Dividende von einem österreichischen Unternehmen erhältst, wird diese sofort mit 27,5 % KESt belastet.
- Das Gleiche gilt für Dividenden ausländischer Aktien, jedoch kommt hier oft noch eine ausländische Quellensteuer ins Spiel.
2. Quellensteuern auf Dividenden im Ausland
Wenn du Aktien von ausländischen Unternehmen hältst, wird zusätzlich zur österreichischen KESt auch eine Quellensteuer vom Ursprungsland der Aktie einbehalten. Diese Steuer variiert je nach Land und kann zwischen 0 % und 35 % liegen. Dank Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Österreich und vielen Ländern kannst du jedoch in den meisten Fällen einen Teil dieser Steuer zurückfordern.

Hier eine Übersicht über gängige Quellsteuersätze einiger wichtiger Länder:
| Land | Quellsteuer | Rückforderbarer Teil (DBA) |
|---|---|---|
| Deutschland | 26,375 % | 11,375 % |
| USA | 30 % | 15 % |
| Schweiz | 35 % | 20 % |
| Frankreich | 30 % | 12 % |
| Kanada | 25 % | 10 % |
| Italien | 26 % | 11 % |
| Großbritannien | 0 % | 0 % |
Beispiel:
Erhältst du eine Dividende von 100 € von einem deutschen Unternehmen, wird zunächst eine Quellensteuer von 26,375 % abgezogen (26,38 €). In Österreich werden von der verbleibenden Dividende nochmals 27,5 % KESt abgezogen. Dank des Doppelbesteuerungsabkommens kannst du aber 11,375 % der deutschen Quellensteuer zurückfordern.
3. Rückforderung ausländischer Quellensteuern
Um die überhöhte Quellensteuer zurückzufordern, ist es oft erforderlich, einen Antrag im jeweiligen Ursprungsland zu stellen. Dieser Prozess kann von Land zu Land unterschiedlich kompliziert und zeitaufwändig sein.
Schritte zur Rückforderung:
- Formulare ausfüllen: Die meisten Länder stellen spezielle Formulare zur Verfügung, die du beim zuständigen Steueramt einreichen musst. Für Deutschland ist dies zum Beispiel das Formular „R-D1“, für die Schweiz das Formular 85.
- Depotnachweis: In der Regel verlangt das ausländische Finanzamt einen Nachweis über deine Dividendenzahlungen. Dieser kann über deinen Broker angefordert werden.
- Wartezeit: Die Bearbeitung kann mehrere Monate dauern. In der Schweiz und Deutschland dauert es oft zwischen 6 und 12 Monaten, bis du die zu viel gezahlte Steuer zurückerhältst.
Vereinfachung durch Broker
Einige Broker wie die DADAT oder die Erste Bank bieten für ihre Kunden einen Rückforderungsservice an, der gegen eine Gebühr die gesamte Abwicklung übernimmt. Dies spart Zeit, allerdings mindern die Gebühren oft den Nutzen, vor allem bei kleinen Dividendenausschüttungen.
4. Steuerliche Optimierung des Depots in Österreich
Auch wenn die Steuern auf Kapitalerträge in Österreich relativ hoch sind, gibt es einige Strategien, mit denen du die Steuerlast reduzieren kannst.
4.1. Freibeträge nutzen
Als Privatperson hast du die Möglichkeit, Freibeträge auf Kapitalerträge zu nutzen. So gibt es beispielsweise einen Sparerfreibetrag, der es erlaubt, bis zu einem gewissen Betrag steuerfrei zu investieren. Dieser Freibetrag kann durch verschiedene Sparpläne oder steuerbegünstigte Produkte wie Lebensversicherungen genutzt werden.
4.2. Verlustverrechnung
Verluste aus Aktiengeschäften können mit Gewinnen aus anderen Kapitalerträgen, wie Dividenden, verrechnet werden. Damit kannst du deine Steuerlast senken. Es lohnt sich, Aktien, die Verluste gemacht haben, bewusst zu verkaufen, um diese Verluste in deiner Steuererklärung geltend zu machen.
4.3. Langfristig investieren
Durch eine Buy-and-Hold-Strategie vermeidest du unnötige Transaktionskosten und realisierst Gewinne erst, wenn es wirklich nötig ist. Das bedeutet auch, dass du Kapitalertragsteuern erst bei Veräußerung zahlen musst und so länger von einem Zinseszinseffekt profitieren kannst.
4.4. ETFs und Fonds mit Thesaurierung
Ein weiterer steuerlicher Vorteil kann durch die Investition in thesaurierende Fonds oder ETFs erzielt werden. Bei thesaurierenden Produkten werden die Dividenden nicht ausgeschüttet, sondern automatisch wieder angelegt, was dir den Zinseszinseffekt bringt und die sofortige Besteuerung der Dividenden hinauszögert.
4.5. Richtiges Timing
Durch ein geschicktes Timing kannst du unnötige Steuerzahlungen vermeiden. Ein Beispiel dafür ist der Kauf von Aktien nach dem Ex-Dividenden-Tag. Da die Dividende schon abgetrennt wurde, wird sie nicht mehr versteuert, und du musst erst für künftige Dividenden zahlen.

Besteuerung und Optimierung von Dividenden für österreichische Aktionäre
Die Besteuerung von Dividenden als österreichischer Aktionär kann kompliziert sein, besonders wenn es um ausländische Aktien und Quellsteuern geht. Es ist wichtig, die steuerlichen Regeln im Auge zu behalten und sich über die jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen zu informieren, um keine unnötigen Steuerabzüge hinnehmen zu müssen. Gleichzeitig bietet die Verlustverrechnung, langfristiges Investieren und der Einsatz von thesaurierenden ETFs Möglichkeiten zur Steueroptimierung. Auch wenn die Rückforderung von Quellensteuern manchmal mühsam ist, lohnt sich der Aufwand, um deine Rendite zu maximieren.


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